Der gestrige “Am Schauplatz” hat schon im Vorfeld für viel Aufregung gesorgt, da HC Strache den ORF der Anstiftung zur Wiederbetätigung bezichtigt hat. Alles in allem war es ein kurzweiliger Fernsehabend.
Der Protagonist Phillip (19) wurde vorgestellt beim Scharfmachen seines “Kampfhundes”. Bereits hier fiel er im Streitgespräch mit besorgten Nachbarn nicht gerade als Meister der Logik und Dialektik auf, ließ jedoch einen Hauch von kindlicher Naivität durchschimmern. Beim Portrait seiner Familie wurde das Bild eines liebenswerten, aufbrausenden und (unter Alkoholeinfluss) aggressiven jungen Mannes gezeichnet, der nach der Wiederholung einiger Klassen die Hauptschule im dritten Jahrgang abgebrochen hatte. Von seiner liebenden (offensichtlich auch arbeitslosen) Mutter nur unzureichend mit dem Allernötigsten versorgt, mühte er sich ohne Aussicht auf einen Job zum AMS, um dort zum ersten Mal einfache Lösungsansätze zu finden. Nach der Absolvierung eines Lehrgangs bekam er keine Festanstellung, seine Begründung: “Weil ich kein Ausländer bin”.
Im Gegensatz zum scheinbar vom eisernen Glanz des Dritten Reichs faszinierten Kevin, mit dem er (anscheinend wegen Sachbeschädigung und Diebstahls) vor Gericht stand, schien der Nationalsozialismus für ihn primär als Lösungsansatz interessant zu sein. Die Delogierung seiner Familie, die vergebliche Arbeitssuche, sein schulisches Scheitern, Phillips Leben schreit förmlich nach Verdrängung und einfachen Lösungen, so überwältigend der Teufelskreis, in dem er sich befand. Neben vielen obskuren, teils sehr ambivalenten Randfiguren (Phillips Schwiegervater-in-spe: “So einer ist mir lieber als ein Türke. Mit einem Türken hätte sie schon fortgehen dürfen, aber nach Hause bringen hätte sie den nicht dürfen” oder Kevins ihn unendlich liebender Großvater: “Wenn er denkt, dass das das Seine ist….”) traten allerdings auch Phillips “ausländische” Freunde auf, namentlich “Atilla”. Offensichtlich auf Grund seiner Gutmütigkeit und seines Humors geschätzt, wurde er als Teil der Clique angesehen, seine Fremdheit “übersehen”. Fast wie eine von Phillip bewunderte, diesem offensichtlich fehlende Vaterfigur trat er gelassen, sozial kompetent und mit Hauptschulabschluss und Job ausgestattet, als Beweis der rechten Ambivalenz auf. Fast philosophisch ließ Phillip die Erwähnung seines Vaters werden, ein Serbe: “Was kann er dafür? Was kann irgendjemand dafür?”. Die diesem Gedanken logisch folgende Einsicht blieb ihm aber leider verwehrt.
Politisch brisant wurde es, als ein verstecktes Geschäft für Nazidevotionalien aufgesucht wurde (wo der Redakteur mutmaßlich um drehen zu dürfen den beiden aus der eigenen Tasche T-Shirt oder dergleichen spendiert haben dürfte) und danach eine FPÖ-Veranstaltung in Wiener Neustadt. Hier kam es zum Aufeinandertreffen mit HC Strache, der von Phillip und Kevin im Gespräch als der einzig wählbare Kandidat, wenn auch als etwas unkonsequent und unzureichend rechts, skizziert wurde. Auf Anfrage wollte Strache keine Nazis gesehen haben, bis er auf die Protagonisten traf, die, wohl etwas schüchtern, sich nicht trauten, ihm ihre Meinung ins Gesicht zu sagen. Als Strache ein Foto anbot und die ORF-Kamera als filmendes Gerät präsentiert wurde, konnte man es in HCs Gesicht arbeiten sehen. Nach kurzer Nachdenkpause meldete HC die ihm zu Ohren gekommenen Abscheulichkeiten, die er verschiedenen Aussagen zufolge als “HEIL HITLER” oder “SIEG HEIL” benannte, seinen Gefolgsleuten, allen voran einer rothaarigen Dame, die als einzige Antwort “Das haben wir auch alles gesehen” parat hatte, egal was HC auch sagte. Als Zeugen wurde eilig die gesamten FPÖ-Helfer gefunden, eine unverzügliche Einvernahme hätte wohl witzige Differenzen zu Tage gebracht, wenn nicht einmal der Mastermind des Plan sich über die Natur des selbigen ganz im Klaren war.
In der anschließenden Diskussion stellte Heinrich Strache (so wurde er von den beiden Protagonisten benannt) die obskursten Thesen über eine mögliche Pay-per-Heil-Regelung (80€) zwischen Redakteur Ed Moschitz und den mutmaßlichen Schauspielern Phillip und Kevin auf. Nichts scheint beim von der Polizei offensichtlich bestens informierten Heinrich denkunmöglich zu sein. Auch zur Debatte stand die Mitnahme der beiden Neonazis im Übertragungswagen des ORF-Teams, die allerdings durch die nicht vorhandene Leistbarkeit für die beiden unter dem Existenzminimum lebenden Männer erklärt wurde.
Alles in allem scheint sich die Produktion der Dokumentation hart an der Grenze des journalistisch Machbaren abgespielt haben auf Grund der Lebensverhältnisse der beiden, die viel Gezeigtes ohne Unterstützung nicht zugelassen hätten.
Was sehr gerne bei Seite gelassen wird brachte Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell ins Gespräch und damit schließe ich: “Schon die Kamera manipuliert, die Protagonisten verhalten sich automatisch anders”